das didgeridoo

Eukalyptusarten  

Nur wenige Eukalyptusarten  (es gibt total ca. 600 Eucalyptusarten) sind für den Bau oder besser gesagt die Entstehung eines Didgeridoos relevant:

Stringy Bark (Eucalyptus tetrodonta)

Woollybutt (Eucalyptus miniata)

River Red Gum (Eucalyptus camaldulensis)

Yellow Box Gumtree

Bloodwood

Ironwood (Erythrophleum chlorostachys)

Die Kombination Eukalyptus - Holz und Termiten (kleine Insekten die das weiche innere Holz des Eukalyptusbaumes ausfressen und somit den hohlen Stamm "bauen") gibt es nur in Australien was damit auch nur ein Entstehungsort der Echten Didgeridoos aufzeigt.

Die Didgeridoos aus Ironwood sind sehr begehrt, allerdings auch sehr swierig zu finden. Das Suchen eines idealen Baumes würde ich den Yolngus überlassen, da sie sich einfach viel besser auskennen. Die Schwierigkeit besteht ja darin ein gutes zu finden. Man steht im Busch, rund herum stehen viele kleinere und grössere Bäume. Praktisch alle sind irgendwie von Termiten «bearbeitet» worden. Welcher ist der Richtige?

Was passiert nun mit einem hohlen Baumstamm? Meistens wird die Rinde mit Hilfe eines Hobels abgetragen, um eine dünnere Wandung zu erhalten (bessere Resonanz). Dabei ist bei den Ästen Vorsicht geboten, denn die Termiten fressen sich ja auch in die Äste vor. Wenn man nun dort zu viel Rinde entfernt, kann das zu einem Loch führen, das mit Autospachtel oder Bienenwachs gestopft werden muss. Undichte Stellen wie z.B. Risse werden am besten auch so repariert. Im Rohr selber finden sich meist Reste der Termiten: Gangsysteme mit feinen Wänden. Diese lassen sich einfach mit einer Stange herausstossen. Manchmal genügt auch Klopfen des Rohres. Zuletzt wird das Rohr mit glühender Kohle (oder Benzin) ausgebrannt. Damit wird die Ober(Innen-)fläche glatter, was sich sehr vorteilhaft auf den Ton auswirkt.

Auch in Europa gibt es ein «natürliches» Didgeridoo: Mantegazzis Bärenklau (Heracleum mantegazianeum), bei uns vor allem bekannt als «Riesenkerbel». Diese einjährige Pflanze stammt vom Kaukasus und gilt bei uns als Unkraut, da sie einerseits heftige allergische Reaktionen auslösen kann, anderseits ist sie nicht totzukriegen. Beim Jäten muss die ganze Wurzel ausgegraben werden. Hautkontakt mit der Pflanze ist auf jeden Fall zu vermeiden, dies gilt vor allem für Allergiker. Wenn aber im Herbst der Stengel restlos verholzt, lassen sich daraus schöne Rohre herstellen. Die Septen sind einfach zu entfernen. Das Rohr ist erstaunlich stabil. 

Länge:

Die Tonhöhe des Grundtons hängt unter anderem von der Lippenspannung und der Länge des Rohres ab. Der Durchmesser kann vernachlässigt werden. Je nach Länge verändern sich aber auch verschiedene Charakteristika. Grösser ist dabei nicht unbedingt «besser». Ein virtuoses Spiel ist auf sehr langen Didgeridoos eher schwierig. Die tiefen Töne haben aber auch ihren Reiz...Jedes Rohr hat auch «seine» Tonhöhe, wo es am besten tönt. Die ganze nachstehende Rechnerei ist aber fragwürdig, denn die Tonhöhe hängt auch von der Spielweise ab! Lockere Lippen senken den Grundton, sehr gespannte Lippen heben ihn ein bisschen an. Ich empfehle deshalb die Länge mit einem Stimmgerät zu «ertasten»; ein bisschen absägen und dann wieder die Tonhöhe messen usw. Wenn man die Nadel des Stimmgerätes anschaut, wird man gerne dazu verleitet, lockerer oder angespannter zu spielen als sonst. Spiele deshalb genug lange beim Messen, damit Du «Deine» Tonhöhe findest. Die Tabelle mit der Frequenz und der entsprechenden Länge ist deshalb mit Vorsicht zu gebrauchen. Für die physikalisch Interessierten folgt ein physikalischer Exkurs.

Was die Tonhöhe betrifft lautet die Gretchenfrage: Welche Länge gibt mir einen bestimmten Ton? Der bestimmte Ton ist die Frequenz, und die ergibt sich aus der Division der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls durch die Wellenlänge, wobei:

Die Frequenz f die Anzahl Schwingungen pro Sekunde (= Hertz (Hz)

Die Schallgeschwindigkeit c = 34400 cm/sec.

Die Wellenlänge l= 2 · {L (Länge in cm) + 0.6 r (Radius in cm)}

Die 0.6 r sind ein Korrekturfaktor, der mit der Dünnwandigkeit des Didgeridoos zusammenhängt. Der Knotenpunkt der stehenden Welle liegt nämlich um 0.6 r ausserhalb des Rohres. 

Die Formel lautet: f = c / l ; nun interessiert uns die Länge: l = c / f

Setzen wir nun für l = 2 · (L + 0.6 r)

dann erhalten wir: L = (34400 / 2 f) - 0.6 r

Die folgende Tabelle gibt die Länge für ein gleichmässig dickes Plastikrohr mit einem Durchmesser von 3,8 cm an. Die Länge beinhaltet das Mundstück! 
Die (wohltemperierten!) Frequenzen in Hz sind jeweils auf eine Stelle gerundet:

 

Ton

Frequenz (Hz)

Länge (cm)

A

110

156.4

A#

116.6

147.5

B

123.4

139.4

C

130.8

131.5

C#

138.6

124.1

D

146.8

117.2

D#

155.2

110.5

E

164.8

104.4

F

174.6

98.5

F#

185

93

G

196

87.8

G#

207.6

 

 

Mundstück

Es gibt Rohre, die haben kein Mundstück. Es geht also auch ohne. Oft liegt das Instrument aber nicht bequem auf dem Mund auf. Deshalb behilft man sich mit einem Mundstück, meistens aus Bienenwachs.  Die Grösse der Öffnung sowol sie Innenkanten sind auch wichtig. 
Mit dem Mundstück kann man die Tonhöhe im Bereich eines halben Tones verändern.

Pflege

Das Problem von Holzblasinstrumenten liegt im Feuchtigkeitsunterschied von innen und aussen. Im Rohr herrscht ein sehr feuchtes Klima, bedingt durch die feuchte und warme Atemluft und dem Speichel. Die Kondensation an der kühlen Wand bewirkt eine Durchnässung der Innenseite. Da das Holz nur einseitig nass wird, entstehen Spannungen. Das Problem ist auszuschalten indem die Oberfläche inseitig mit einem Lack versiegelt wird. Dies empfiehlt sich vor allem bei Bambusdidgeridoos. Für jede Art von Holz ist kaltgepresstes Leinsamenöl auf jeden Fall Balsam. Am besten wird es mit einem Lappen eingerieben. Für die inseitige Behandlung wird das Öl in das Rohr geleert (nur wenig!) und danach das Rohr gedreht. Diese Arbeit sollte nicht über einem Teppich oder Parkettboden verrichtet werden (Ölflecken!).

Literatur

Bergamini, D. (1965). Australien - Flora und Fauna (Wolfgang Villwock, Trans.). (Time ed.). Norman P. Ross.

Berndt, R. &. C. (1988). The World of the First Australians

Aboriginal Traditional Life: Past and Present. Canberra: Aboriginal Studies Press.

Isaacs, J. (1981). Australian Dreaming - 40000 Years of Aboriginal History. Sydney: Lansdowne Press.

Moyle, A. M. Aboriginal Music No. Department of Aboriginal Affairs.

Moyle, A. M. (1981). The Australian Didjeridu: A late Intrusion. World Archaeology, 12.

Sadie, S. (1980). Australia. In The new grove dictionary of musical instruments London:

Schellberg, D. (1994). Didgeridoo - Das faszinierende Instrument der australischen Ureinwohner. Verlag Bruno Martin.