kulturelles

Dank den  australischen Ureinwohnern

"Le didgeridoo et le souffle se font entendre en étant une partie de la nature et de la voix intérieur"

Ihre  Kultur und deren Wurzeln haben mich zu tiefst berührt ... 

 

Der Name

Der Name «Didgeridoo» ist wahrscheinlich eine europäische Wortprägung mit lautnachahmender (onomatopoetischer) Absicht. Heute sind etwa 40 verschiedene Namen für dieses Instrument bekannt, was auf die sprachliche Vielfalt der Ureinwohner Australiens hinweist. Sehr verbreitet bei den Ureinwohnern, den Yolngus, ist auch der Name «Yidaki». Es werden auch Didgeridoos aus Bambus hergestellt, weshalb auch der Name «Bambu» auftritt. Andere Namen sind Kanbi, Mago, Arawi, Djalupu, Djampun, Djubinj, Ganbag, Gamalag, Magu, Maluk, Jhambilbilg und Yiraga. Alle diese Namen stammen aus dem Norden (Arnhem Land), dem Nordwesten (Kimberleys) und den vorgelagerten Inseln (Sadie, S., 1980).

 

Mytos Aboriginals

In Australien leben noch 250 000 Ureinwohner. 
300 000 müssten fleißige Maler, Schnitzer und Töpfer sein !

«Erst haben sie unser Land gestohlen,
 dann unsere Kultur»

Charlotte Peter

"Ausstellungen von Aborigine-Kunst in Museen, Galerien und Warenhäusern oder gar Heuschrecken als neuester Gastroh-Gag: Die Kultur der australischen Ureinwohner liegt im Trend. Begreiflich daher, wenn manche Leute Lust bekommen, das Original kennenzulernen.
Kein Problem. Kaum hat das Flugzeug irgendwo in Australien die Räder auf den Boden gesetzt, wird der Besucher mit steinzeitlichem Kunsthandwerk geradezu überflutet. An der Mall in Darwin reihen sich die Souvenirläden mit Bumerangs in allen Größen, Dot Paintings auf Rinde, Papier, Leder, T-Shirts, Küchentüchern und Kaffeetassen, Didgeridoos samt Lehrbüchern, in denen die schwierige Blastechnik des urweltlichen Instrumentes erklärt wird, Dreamtime-Stories und Alternativmedizin. Alles garantiert echt und original, und von jeder Postkarte soll ein Obolus an eine Aborigine Community gehen.
Immerhin hält es ein Ladeninhaber für notwendig, dem Neuankömmling zu versichern, seine Aborigine-T-Shirts wären «made in Australia» und nicht «made in Taiwan» wie die nebenan. Auch fällt auf, dass in den vielen Aborigine-Läden kaum je ein dunkles, breitnasiges Gesicht zu sehen ist. «Die Aborigines sind eben scheu», erklärt ein Fremdenführer, während ein anderer weniger freundlich zu Protokoll gibt: «Die Schwarzen kriegen so viel Unterstützung vom Staat, dass sie nicht zu arbeiten brauchen. Die saufen lieber.»
Doch auch die Kunst des Bumerangwerfens in der Camp Oven Kitchen bei Alice Springs und das Verspeisen der nach Zitronen schmeckenden Ameisen-Popos im Kakadu-Nationalpark wird von einem Australier vorgeführt, der seine Bräune allein der Sonne verdankt. In der gleichen Gegend erstreckt sich ein überaus bizarres Hotel über die rote Erde: das «Gagadju Crocodile Hotel», das auf Wunsch der einheimischen Besitzer in Form eines Krokodils erbaut wurde. In seinem Rachen befindet sich die Reception, in seinem Bauch oder Garten treffen sich europäische Senioren mit japanischen Hochzeitspärchen, von den Aborigine-Inhabern keine Spur.

Es kann daher kaum erstaunen, wenn auch im vielgepriesenen Tandanya-Zentrum für Aborigine-Kultur in Adelaide ausschließlich hellhäutige Australier die Bedeutung der Traumzeit-Symbole erklären, jedoch bescheiden hinzufügen, alles könnten sie nicht verstehen. Zum Schluss erhalten die Besucher einen ganzen Stoss von Broschüren, in denen von Versöhnung der Rassen, Rechten der Schwarzen, Rückgabe von Land, rechtlichem Schutz der Dot Paintings und anderen Fortschritten die Rede ist.
Weit schwieriger ist der Kontakt mit echten Aborigines. Zwar sieht man sie immer wieder auf Parkbänken sitzen oder in Supermärkten Bierdosen kaufen, doch das Vordringen zu den Communities im Outback ist nur mit Sondergenehmigung möglich. Selbst auf einer dreiwöchigen Zelt-Safari, die Abenteuerlustige für etwas mehr als 4000 Dollar von Adelaide nach Darwin befördert, müssen sich die Teilnehmer mit einer der üblichen Touristen-Shows begnügen.
Unter den Shows gilt das Tjapukai Aborginal Dance Theatre in Kuranda im Nordosten des Landes als beste Adresse. Dort ist eine High-Tech-Anlage mit Freilichtbühne, Begegnungsdorf und Restaurants entstanden, die täglich von 1600 Touristen besucht wird."

Weltwoche, 15.5.1997

Didgeridoo Herkunft

Beim Didgeridoo handelt es sich um ein sehr altes Holzblasinstrument von Australien. Es handelt sich im Prinzip um ein Ur-Alphorn. Das schwingende und somit tonerzeugende Element sind die Lippen. Das Rohr bildet den Resonanzkörper. Als Rohr werden von Termiten ausgehöhlte Baumstämme oder Äste verwendet. Die Termiten fressen das Kernholz, meiden aber die für sie giftige Borke, die sehr viele Bitterstoffe (Tannine) zum Schutze der lebenswichtigen Wasserleitgefässe enthält. So entstehen Rohre, deren Form vom Ausmass des Fresseifers der Termiten abhängt. Die Schwierigkeit ein gutes Didgeridoo zu bauen besteht deshalb darin, ein gutes zu finden. Das Vorkommen des Didgeridoos beschränkte sich einst auf den Norden und Nordwesten Australiens, Gebiete, wo die Termiten in grosser Zahl auftreten.

Je nach Region, bzw. je nach Verbreitung der Baumarten, werden verschiedene Hölzer verwendet: In Nord- und Nordwestaustralien vor allem Woollybutt (Eucalyptus miniata) und Stringy Bark (Eucalyptus tetrodonta), in Zentralaustralien (Red Centre) auch Ironwood (Acacia estrophiolata?), in Südaustralien Yellow Box Gumtree, Bloodwood und Wottle (Acacia decurrens?) und in ganz Australien River Red Gum (Eucalypts camaldulensis). Bambus wird in Nordaustralien auch seit langem als Material verwendet. Bambus wird aber nicht von Termiten ausgehöhlt, sondern ist von Natur aus Hohl.

Entstehungssagen

Das Alter des Didgeridoos ist nicht bekannt. Erste Hinweise auf ein Didgeridoo liefern über 40`000 Jahre alte Wandbemalungen. Über die Entstehung gibt es mehrere Sagen verschiedener Stämme. Das Didgeridoo wurde vor langer Zeit entweder erschaffen oder vom Grossen Geist empfangen. Die folgende Geschichte erzählte Alistair Black*:

«In the North of Australia, two young and beautiful adolescent girls were captured by a mean giant who wanted them to be his wives. After some time the girls managed to escape and hastily made their way back to their tribe. The mean giant was angry when he discovered what had happened and endeavored to reclaim what he consi-dered his property. Meanwhile, the elders of the young girls' tribe set a trap for the giant. They dug a huge pit along the path leading to their home camp. The giant, in is angry haste, fell into the pit and was immediately killed with many spears thrown by tribal hunters hiding nearby. As he curled on his penis, looking very much like a huge porcupine, he began to blow on his penis, making an amazing droning sound. They tried to copy it, to no avail' so they searched for and found a large hollow log, the center of which had been eaten out by termites. By blowing on one end of this hollow log, they were able to create the sound made by the giant in his death throws.»

Mir wurde eine ähnliche Geschichte in Darwin erzählt. Andere Geschichten verbinden das Didgeridoo mit der Schöpfung: «Am Anfang erschuf der Grosse Geist Byamee Mann und Frau. Er übertrug Ihnen die Verantwortung, die Tiere und Vögel zu erschaffen. Sie formten sie singend oder Didgeridoo spielend.» Bill Harney von Katherine erzählt, dass die Berge, Bäume und das Gras von einem Didgeridoospieler, einem Schlagholzspieler und einem Sänger erschaffen wurden (Schellberg, D., 1993).

Kulturelle Bedeutung

Die Kultur der Uraustralier kennt keine Schrift. Die mündliche Überlieferung ist demnach sehr wichtig. Es erstaunt nicht, dass die Ureinwohner oft singen. Tony, ein alter, weiser Yolngu (politisch korrekte Bezeichnung der Ureinwohner) von West Arnhemland, meinte: «Wenn wir aufhören zu singen, gibt es uns nicht mehr.» Ein Fest, wo die Yolngu tanzen und singen, heisst «Corroboree». Hier wird das Didgeridoo als Begleitinstrument eingesetzt. Eine wichtige Rolle spielt der Vorsänger. Oft spielt jemand auch Schlagholz. Das Didgeridoo gibt den Grundton für den Gesang. Der Rhythmus ist für uns oft nicht nachvollziehbar, weil dem Didgeridoospiel nicht sich wiederholende zweier, dreier, vierer usw. Metren mit einer bestimmten Geschwindigkeit, sondern Worte, resp. Silben zugrunde liegen. Der Didgeridoospieler spricht viel in sein Instrument, wohlverstanden während des Spiels. Er erzeugt somit eine Klangfarbe, die der lautnachahmenden Namensgebung des Didgeridoos gerecht wird.

Das Didgeridoo wird in der traditionellen Anwendung selten alleine gespielt. Es ist oder war in erster Linie ein Begleitinstrument zum Gesang. Heute wird es aber nicht nur «traditionell» eingesetzt. Man hört z.B. Didgeridoo-Sessions ohne Gesang. In den letzten Jahren wurde viel experimentiert. Es gibt zahlreiche popige, experimentelle und folkige Produktionen. Das Didgeridoo wird auch an nicht öffentlichen Zeremonien gespielt. Über die Bedeutung und Funktion an solchen Anlässen weiss ich nichts zu berichten, da sie heilig und geheim sind. 

Für bestimmte Anlässe werden die Didgeridoos mit Totemsymbolen geschmückt. Die Yolngu verwenden Erdfarben: Rot (red ochre) und gelb (yellow ochre) aus Erdpigmenten, weiss aus Pfeifenton, und schwarz aus Holzkohle oder Russ. Meistens wird die Bemalung nach dem Anlass abgewaschen, da die Motive religiösen Tabus unterliegen und nur von Initierten gesehen werden dürfen. Deshalb sieht man oft unbemalte Didgeridoos. Seit einigen Jahren ist die permanente Bemalung mit Akrylfarben populär und wird vor allem bei Didgeridoos angewendet. Oder mit Muster, die mit glühendem Draht in das Holz gebrannt wurden. Eher selten sind geschnitzte Muster. Das Schnitzen ist sehr anstrengend, da das Holz so hart ist!